Grimms Märchen: Rumpelstilzchen

 Eine Deutung aus astrologischer, gleichnishafter Perspektive

 © Wilfried Schütz 2018

 

Zunächst das Märchen der Gebrüder Grimm: "Rumpelstilzchen" in Kurzform:

 

     Ein armer Müller hatte eine wunderschöne Tochter. Um vor dem König Anerkennung zu bekommen, sagte er diesem, sie könne Stroh zu Gold spinnen. In seiner Gier nach Reichtum stellte der König die Tochter drei mal unter Todesdrohung auf die Probe. In ihrer Angst und Not half ihr jedes Mal ein kleines Männchen, aus dem Stroh Gold zu spinnen. Hierfür gab ihm die Tochter ihr Halsband, danach ihren Ring und zu Letzt musste sie dem Männlein etwas Lebendiges versprechen: ihr erstes Kind. Für die bestandene Probe versprach ihr der König die Ehe. So wurde die Müllerstochter zur Königin.

    Über ein Jahr brachte sie ein schönes Kind zur Welt und das Männlein kam, um das Kind zu holen. Mit dem Schmerz der Königin hatte das Männlein jedoch Mitleid und gab ihr drei Tage Zeit. Wenn sie bis dahin seinen Namen wüsste, könne sie ihr Kind behalten. Alle im Reich gebräuchlichen Namen nannte die Königin dem Männlein. Jedes Mal antwortete es aber: "So heiß ich nicht." Am dritten Tag jedoch entdeckte ein Bote der Königin ein Männlein, das um ein Feuer herum sprang und dabei schrie: "... ; ach, wie gut ist, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!"

    Als die Königin ihm daraufhin seinen Namen sagen konnte, riss sich das Männlein in seiner Wut selbst mitten entzwei.

 

Rumpelstilzchen trifft die Müllerstochter, Illustration (ca. 1889)

    Um das Märchen in seiner Bedeutung zu verstehen, sollten wir uns zunächst klar machen, dass alle Gestalten und Strebungen, die im Märchen erscheinen, Gestalten und Strebungen im Inneren der schönen Müllerstochter sind. Ihr Problem in diesem Märchen existiert nicht in ihrer weiblichen Seite, der Anima, sondern in ihrer männlichen Seite, dem Animus. Diese ihre männliche Seite erlebt sie in der Projektion auf den Vater und den König . Ihr Animus und damit ihre Aktivität ist von dem Streben nach Anerkennung (Vater: Sonne-Saturn) und der Gier nach Macht und Reichtum (König: Sonne - Pluto - Stier-Venus) geleitet. Um aus dem "Nichts" Gold zu machen, geht ihr Animus einen Pakt mit der Magie (Rumpelstilzchen: Skorpion - Pluto) ein. Er bindet sich an einen hilfreichen Dämon (Rumpelstilzchen, Skorpion-Pluto), um seine Rolle (Skorpion-Pluto) als potenter "Goldspinner" spielen zu können. Symbole dieser zunehmenden Bindung des Animus an den Dämon sind zunächst das Halsband und dann der Ring. Jede Rolle beschert einen Vorteil. In diesem Fall, Königin zu werden und Anerkennung, Reichtum und Macht zu bekommen. Jede Rolle jedoch, besitzt auch einen Nachteil, sie ist fremdbestimmend. Sie fordert von der Königin, dass sie all ihre Energie und damit alles, was durch sie in Wirklichkeit lebendig werden will, ihre "Kinder", an das Fremdbestimmende opfert (Skorpion-Pluto). Das Feuer, um das Rumpelstilzchen herumtanzt, entstammt dieser geopferten Energie. So war es nur konsequent, dass der Dämon Rumpelstilzchen das Kind (Energie) der Königin als Opfer fordert.

     Das Märchen hat den Namen Rumpelstilzchen mit Bedacht gewählt. Er erinnert an altes (seelisches) Gerümpel, das wir mit uns herumschleppen und das wir schon lange hätten entsorgen sollen und an den "Stülz", eine hinkende Person. Unmittelbar taucht dabei der Gedanke an den hinkenden Schmiedegott Hephaistos der griechischen Mythologie auf, den Ehemann der Aphrodite. Auch bei ihm liegt die Assoziation mit Skorpion-Pluto nahe. 

 Skorpion-Pluto repräsentiert unser Gedächtnis. In seinem "Wasser" speichern (Zeichenqualität: fix) wir die Erfahrungen unserer Vergangenheit. Können wir uns an frühere Erlebnisse ohne heftige Affekte erinnern, dann sind sie verarbeitet. Sehr traumatische Erfahrungen dagegen können uns seelisch überfordert haben, sodass sie unverarbeitet in uns schlummern. Sie bilden in uns einen sogenannten "SCHMERZKÖRPER" (E. Tolle). Aus dem Unbewussten heraus betimmt er unser Verhalten mit. Er bestimmt uns fremd und zwingt uns, Verhaltensrollen anzunehmen, die uns scheinbar die Gewähr bieten, dass wir den Schmerz des vergangenen Traumas nicht wieder erleben müssen.

Im vorliegenden Märchen kann das Trauma mit dem Anerkennungsverlust und dem Elend der Armut in der Vergangenheit zusammenhängen, das den Animus der Müllerstochter in seine Rolle des "Goldspinners" drängt. Wird das Trauma z.B. im Rahmen einer Therapie aufgedeckt, der in ihm steckende Schmerz erinnert, beim "Namen genannt", verliert es seine Wirkung. Der traumatische Komplex (Rumpelstilzchen) zerreißt sich selbst. Der therapeutische Prozess braucht seine Zeit, um in einer Lösung zu enden. Hierfür gibt das Märchen der Königin eine Frist von drei Tagen. Die Zahl 3 symbolisiert das bewusste Verstehen und Tolerieren (Jupiter), die Vollständigkeit und damit die Lösung des inneren Konflikt's. Danach kann die Rolle aufgegeben werden, sodass die Lebensenergie (Sonne) der Königin ab diesem Zeitpunkt eigene Schöpfungen (Kinder) kreieren kann, die nicht mehr geopfert werden müssen. Die Königin, die sich an den Namen erinnert, kann ihr Kind behalten.

 

Zu guter Letzt:

 

Menschen nun, die das Themen-Skript dieses Märchens in sich tragen, fühlen sich von ihm angesprochen und erwählen es in vielen Fällen zu ihrem "Lieblingsmärchen". Hast Du ein solches Lieblingsmärchen, dann gehe auf die Suche nach seiner Bedeutung und Du wirst verborgene Seiten an dir entdecken, die Du in Zukunft für dein Leben nutzen kannst. Die Astrologie wird dir dabei eine große Hilfe sein.